Usability von Bewegtbildern

Da Bewegtbilder in Online-Darstellungen häufig Teil der Webseiten sind (seitenintegrierte Bewegtbilder) und für die Nutzung von Bewegtbildern oftmals technische Player-Funktionalitäten notwendig sind, ist es nahe liegend, dass Bewegtbilder gewissen Usability-Anforderungen gerecht werden müssen, um den maximalen Nutzen generieren zu können. Nicht nutzbare oder schlecht nutzbare Bewegtbilder mindern deren Konsumentenmehrwert oder können im worst case zu (kognitiven) Mehrkosten führen.

Erste Erkenntnisse einer aktuell laufenden Eye-Tracking-Studie über additive Bewegtbildinhalte in Stellenanzeigen verdeutlichen, dass automatisch startende, mit Akustik hinterlegte Bewegtbilder negative Reaktionen bei den Probanden auslösen [vgl. Pagel/ Goldstein 2008]. Insbesondere die ungewollte „Beschallung“ empfanden die Probanden als überaus störend. Des Weiteren schränkten fehlende Player-Funktionalitäten die Nutzbarkeit von Bewegtbildern ein. Auch die Einbindungsform der Bewegtbilder spielt eine entscheidende Rolle für deren Nutzbarkeit. So wurden durch Foto- oder Grafik-Icon gekennzeichnete Bewegtbilder kaum wahrgenommen und somit auch nicht genutzt. Dies kann für das kommunizierende Unternehmen schwerwiegende Folgen haben, da Bewegtbilder in der Regel durch relativ hohe Herstellungskosten und Folgeaufwand in Form von Streamingkosten geprägt sind.

Die Usability spielt somit nicht nur bei der Gestaltung und Systematisierung von Online-Darstellungen eine wichtige Rolle, sondern ist auch bei der erfolgreichen Nutzung von Bewegtbildern im Onlinemarketing ein gewinnbringendes Kriterium.

Erkenntnisse aus der Web-Usability sollten jedoch nicht ungeprüft eins-zu-eins auf Bewegtbildinhalte übertragen werden, da die Web-Usability-Erkenntnisse aus der Analyse statischer Online-Darstellungen resultieren. Bewegtbildern ist jedoch die Dynamik immanent. Für Bewegtbildinhalte im Onlinemarketing ergeben sich somit neue Anforderungen an die Usability-Forschung.

Autor: Sebastian Goldstein

 

Usability Empfehlungen

  • Bewegtbilder und Foto-Icons sollten aufgrund des „Gesetz der Nähe“ räumlich nah bei zugehörigen Textinformationen platziert werden. Somit ist für die Benutzer ersichtlich, dass diese zusammen gehören.
  • Additive, seitenintegrierte Bewegtbilder sollten nicht automatisch starten. Die Benutzer einer Webseite möchten eigenverantwortlich entscheiden, wann und ob sie ein Bewegtbild starten möchten. Automatisch startende Videos unterbrechen bzw. stören den Interaktionsprozess mit der Webseite.
  • Seitenintegrierte Bewegtbilder sollten ausreichend groß sein. Dies erhöht die Aufmerksamkeit (Reizwirkung) und erleichtert die Interaktion mit dem Bewegtbild. Des Weiteren ist ein erhöhter Betrachtungskomfort zu erwarten, da die Inhalte leichter erkannt werden können.
  • Grundlegende Player-Funktionalitäten sollten immer vorhanden sein. Diese sind der „Start-/Stop-Button“, eine „Zeitleiste“, die „Gesamtdauer des Videos“, die „verbleibende Zeit“, ein „Lautstärkeregler“ und eine „Zoom-/Vollbildfunktion“.
  • Bewegtbilder sollten möglichst in die Seite integriert werden und nicht über ein Popup in einem neuen Browserfenster starten.
  • Der Sound von Bewegtbildern sollte optional hinzuschaltbar sein. Selbst automatisch zu startende Bewegtbilder sollten zunächst ohne Sound abspielen und nur auf expliziten Wunsch des Nutzers zugeschaltet werden können.
  • Um die Informationsdiskrepanz der Nutzer gegenüber dem Bewegtbild abzubauen, sollte in einem kurzen Text (z.B. als Mouse-over) erläutert werden, welche Inhalte das Bewegtbild kommuniziert. Somit weiß der Nutzer exante, d.h. vor dem Start des Videos, ob dieses für ihn vermutlich interessant und informativ ist oder nicht. Dies sorgt für Transparenz und senkt die Opportunitätskosten der Nutzer.
  • Videos sollten möglichst in standardisierten Videoformaten angeboten werden. Der Nutzer sollte ohne zusätzliche Installation von Treibern/ Plugins etc. in der Lage sein, das Bewegtbild zu starten und zu nutzen.
  • Die Bewegtbilder sollten an die unterschiedlichen Internet-Bandbreiten der Rechner angepasst werden.
  • Bei der „Druckversion“ einer Stellenanzeige sollte das Bewegtbild ausgeblendet werden.
  • Hinsichtlich der Barrierefreiheit sollten die Inhalte eines Bewegtbildes auch im Alternativ-Text (alt-tag) bzw. in langen Beschreibungen (longdesc-tag) dargestellt werden. Somit ist es für Sehbehinderte auch möglich, die Inhalte des Bewegtbildes aufnehmen zu können.

Autor: Sebastian Goldstein